Lebensschatzkiste 45: Kinder gehören uns? - praxiserprobt

Aktualisiert: 23. Mai 2021


Ein Gedicht über Kinder von Kahlil Gibran beginnt mit folgenden Worten:


Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.


Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.


Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.


Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts noch verweilt es im Gestern.


Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und er spannt euch mit seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Lasst eure Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;

Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist und

es entsteht ein undurchsichtiges Band.


Aber was können oder dürfen wir den Kindern bzw. Jugendlichen mitgeben?

Unsere Lehren und Erfahrungen als Eltern oder Großeltern haben eine begrenzte Gültigkeit.

Die Kinder von heute leben in einer anderen Welt mit viel mehr Möglichkeiten z.B. des interaktiven Austausches über soziale Medien mit allem für und wider. Partnerschaftliche Beziehungen sind heutzutage anders geprägt als noch vor wenigen Jahren. Junge Menschen lernen wenig durch Erzählungen welch tolle Erfolge wir als Ältere im Leben erzielt haben.


Aber sie werden ganz aufmerksam, wenn wir von unseren Niederlagen erzählen. Sie wollen hören wie wir gescheitert sind, sowohl im persönlichen bzw. beruflichen Umfeld und in unseren Beziehungen. Dazu gehört eine Portion Mut und Ehrlichkeit auch als Verlierer dazu stehen. Sie hören zu, wenn wir unser Versagen eingestehen und dazu stehen. Das macht uns Ältere für junge Menschen greifbarer und menschlicher.


Wir haben rückblickend erfahren, dass im Scheitern die größte persönliche Entwicklungsmöglichkeit liegt. Wir sind nicht zynisch oder verbittert aus dieser Lebensphase heraus getreten, sondern mehr noch humanisiert daran gewachsen.

Von den stolzen Siegen bzw. Geschichten können junge Menschen nichts lernen!


Herz-lichst

Hermann

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