Lebensschatzkiste 50: „Wo sind unsere Held*Innen?“ – praxiserprobt.

Aktualisiert: vor 5 Tagen


Der Begriff Held oder Heldin ist derart zur Floskel verkommen, dass er nur noch für „Winner“ bzw. Gewinner taugt, für Protagonisten spektakulärer Events wie Reality Shows. Und wir vergessen, dass wir alle das Zeug zum Helden haben.[i]


Als Held*Innen wird man nicht geboren. In der Antike bei den Griechen waren die Tugenden eines Helden, Tapferkeit, Kraft, Ausdauer - und diese mussten erworben werden.[ii] Es war auch die Herkunft nicht von Bedeutung. Ein(e) Held*In zu werden braucht eine klare Entscheidung und kein „JEIN“. Das höchste Ziel bestand darin anderen zu helfen, eine NOT zu lindern, das Unbekannte zu wagen, in der Erfahrung der Selbstüberwindung und NICHT im Ergebnis. Wir haben heutzutage eine große Angst zu versagen, zu scheitern und unsere Ziele nicht zu erreichen. In der amerikanischen Universität Smith College in Massachusetts gibt es das Unterrichtsfach „die Kunst des Scheiterns“.[iii] Ein Scheitern wird nicht als Versagen gewertet, sondern als wichtige Lernkurve in der Persönlichkeitsentwicklung. [iv]


Für die Griechen war ein Held*In jemand, der seine innere Stimme zu hören verstand, der Vertrauen zu sich hatte und die Prüfung bestand, die jedem menschlichen Wesen abverlangt wird:


Sich selbst treu zu bleiben![v]


Dies bedingt, immer wieder einmal in sich hineinzuhorchen und auf die innere Stimme zu hören. Ein geistlicher Mönch hat erzählt, dass es vor Gott nur zwei Sünden gibt. Erstens nicht auf die eigene innere Stimme zu hören und zweitens der inneren Stimme nicht zu folgen.


Wir erkennen heutzutage nicht den Unterschied zwischen vernetzt und vereint zu sein, daher haben wir uns noch nie einsamer gefühlt als heute.[vi] Die Schuld für unser armseliges Dasein geben wir den sozialen Netzwerken, den Emojis am Handy und fühlen uns ja nur für wenige Sekunden integriert und danach wieder einsam.[vii] Wir fragen einander „geht’s dir eh gut“, um die erwartete positive Antwort dem Gegenüber in den Mund zu legen. In der Antike galt Weinen, speziell bei Männern nicht als Schwäche, sondern als menschliche, wenn nicht gar heroische Geste.[viii] Oft sind Tränen das beste Mittel, um sich auf das Neue vorzubereiten. [ix] Das Weinen weitet die Seele und öffnet den Blick ins Innere eines Menschen.


Es zählt im Leben keine Aufgabe, die von einem anderen Menschen zB Eltern auferlegt wird. Ein Held*In weiß aus der Intuition heraus, dass die einzige Aufgabe die zählt vom Herzen bewältigt wird und er oder sie sich auf seine Kraft und seinen Mut verlassen muss. Noch nie ist jemand gegen den eigenen Willen ans festgelegte Ziel gelangt. Im Gegenteil. Wenn wir nicht auf die innere Stimme hören und ihr folgen schaffen wir uns den größten Feind – uns selbst. [x]


Nur der freie Mensch kann sich dafür entscheiden, einer Sache anzugehören, die über dem einzelnen Individuum steht, einem Staat, einer Religion, einer Familie, einem Beruf, einer Liebe.[xi] Die Freiheit hat auch die Pflicht sich zu entscheiden und ist somit eine Reise, die seit jeher Angst macht.[xii] Entscheiden bedeutet auf etwas zu verzichten. [xiii]


Der Mensch ist seit jeher bereit für vieles Materielle Geld auszugeben, aber widerwillig, wenn es um die Entwicklung seiner Persönlichkeit geht. Auf der Schwelle des Tempels von Delphi stand:

Erkenne dich selbst.


Ein wahrer Lebenslehrer überschüttet einem nicht mit eigenen philosophischen Erfahrungen, sondern macht sich auf die Suche gemeinsam uns selbst zu entdecken. Die Gesetze der Seele haben eine eigene innere Logik, die gilt es zu lernen, da wir selbst der Richter unseres Lebens sind, wenn es zu Ende geht.


Herz-lichst,

Hermann

[i] Andrea Marcolongo, das Meer, die Liebe, der Mut aufzubrechen. S. 15 [ii] Ebenda, S. 30 [iii] Ebnda, S. 188 [iv] Ebenda, S. 189 [v] Ebenda, S. 14 [vi] Ebenda, S. 17 [vii] Ebenda, S. 20 [viii] Ebenda, S. 35 [ix] Ebenda, S. 36 [x] Ebenda, S 107 [xi] Ebenda, S. 112 [xii] Ebenda, S 113 [xiii] Ebenda, S. 113

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